Neustart Gastgewerbe Energiesicherheit Massnahmen Arbeitskraefte Fachkraeftegewinnung Mehrwertsteuer

Der Neustart der Branche wird allerdings erschwert durch die massiv steigenden Kosten und wachsenden Unsicherheiten in Folge des Ukraine-Krieges. „Die aktuellen Herausforderungen könnten kaum grĂ¶ĂŸer sein“, sagte Guido Zöllick, PrĂ€sident des Deutschen Hotel- und GaststĂ€ttenverbandes (DEHOGA Bundesverband), auf der Pressekonferenz des Verbandes am Dienstag in Berlin. Die Branche brauche jetzt Planbarkeit und verlĂ€ssliche Perspektiven. „Ich erwarte, dass beste Pandemie-Vorsorge fĂŒr den Herbst getroffen wird, erneute BeschrĂ€nkungen und Schließungen werden viele Unternehmen nicht ĂŒberleben. Die Zukunftssicherung der Betriebe und ArbeitsplĂ€tze muss jetzt PrioritĂ€t haben“, so Zöllick.

Corona-Bilanz

Nach zehn Wachstumsjahren habe die Corona-Pandemie die Branche in ihre schwerste Krise der Nachkriegszeit gestĂŒrzt, berichtete Zöllick. „Neun Monate Lockdown und weitreichende EinschrĂ€nkungen haben tiefe Spuren hinterlassen – bei den Unternehmern wie Mitarbeitern.“ FĂŒr die Krisenjahre meldete die Branche UmsatzausfĂ€lle historischen Ausmaßes. 2020 brach der Umsatz laut dem Statistischen Bundesamt gegenĂŒber 2019 um real 39,0 Prozent (nominal -36,5%) ein. Das Jahr 2021 fiel mit realen Einbußen in Höhe von 40,1 Prozent (nominal -36,1%) im Vergleich zum Vorkrisenjahr sogar noch schlechter aus. Und auch im ersten Quartal 2022 musste das Gastgewerbe noch einen realen Umsatzverlust von 32,5 Prozent (-25,2%) verkraften. „Von MĂ€rz 2020 bis 2022 hat die Branche damit nominal 74,9 Milliarden Euro verloren“, so Zöllick.

Die Pandemie traf auch den gastgewerblichen Jobmotor mit voller Wucht. „Verheerende UmsatzeinbrĂŒche, monatelange Kurzarbeit und Unsicherheiten – trotz grĂ¶ĂŸter Anstrengungen gelang es nicht ĂŒberall, die Mitarbeiter zu halten“, erlĂ€uterte der DEHOGA-PrĂ€sident. Der höchste RĂŒckgang bei den sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten wurde im Mai 2021 nach dem langen Lockdown mit 14,5 Prozent registriert, das entspricht mehr als 160.000 Mitarbeiter weniger als im Mai 2019. Erfreulich sei indes, dass nicht wenige Mitarbeiter zurĂŒckkehrten und auch wieder neue Mitarbeiter gewonnen werden konnten, betonte Zöllick. Im MĂ€rz dieses Jahres zĂ€hlte die Bundesagentur fĂŒr Arbeit 1.004.700 sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigte in der Branche. Das sind 63.699 weniger als im MĂ€rz 2019 (-6,0%), aber bereits rund 61.000 mehr als im MĂ€rz 2021. Dramatische RĂŒckgĂ€nge gab es auch bei den Azubizahlen. „Aktuell erlernen fast 41.500 junge Menschen einen unserer sechs Ausbildungsberufe. 2019 waren es gut 51.000“, teilte Zöllick mit.

„Die Zahlen belegen: Mit der Reise-, Kultur- und Veranstaltungswirtschaft gehört das Gastgewerbe zu den von der Corona-Krise hauptbetroffenen Branchen“, fasste Zöllick zusammen und betonte die Bedeutung der staatlichen finanziellen UnterstĂŒtzung. „Keine Frage – die Kurzarbeiterregelungen und Wirtschaftshilfen waren richtig, konsequent und ĂŒberlebenswichtig.“ DafĂŒr sei die Branche dankbar. Ohne diese hĂ€tten sicherlich 70.000 Unternehmen nicht ĂŒberlebt und die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt wĂ€ren noch gravierender gewesen.

Die DEHOGA-Publikation „Neustart 2022“ mit Daten und Fakten zur Corona-Bilanz und den Erwartungen der Branche an die Politik steht unter www.dehoga.de zum Download bereit.

Hoffnungen liegen auf dem Deutschlandtourismus

Hoteliers und Gastronomen setzen jetzt auf eine gute Sommersaison. „Der Nachholbedarf ist groß“, erklĂ€rte Zöllick. „Die Menschen freuen sich, wieder ausgehen, reisen und genießen zu können.“ Viele Menschen hĂ€tten Deutschland als Reiseland neu entdeckt. In vielen Regionen gebe es berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass die Betriebe in diesem Jahr an das Umsatzniveau von 2019 herankĂ€men. Die touristische Nachfrage erhole sich schneller als die geschĂ€ftliche, das hĂ€tten auch die vergangenen Sommer gezeigt. „Messen, Firmenveranstaltungen und GeschĂ€ftsreisen finden auch wieder statt, aber noch nicht auf dem Vorkrisenniveau.“

Aktuelle Herausforderungen sind groß

„Allen Betrieben zu schaffen, machen die explodierenden Kosten bei Energie, Lebensmitteln und Personal“, so Zöllick weiter und verwies auf die Ergebnisse der jĂŒngsten DEHOGA-Umfrage. Danach bereiteten den Betrieben die Energiekosten (85,6%), die Lebensmittelpreise (85,4%) und die Personalkosten (67,0%) allergrĂ¶ĂŸte Sorgen. Besonders bitter sei zudem, dass gute Nachfrage oft nicht bedient werden könne, da Mitarbeiter fehlten. Anfang Juni beklagten rund 60 Prozent der Betriebe einen akuten Mitarbeitermangel.

Appell an die Politik

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen fĂŒr das Gastgewerbe forderte Zöllick von der Politik entschlossenes Handeln und die richtigen politischen Weichenstellungen. Neue Belastungen und Reglementierungen fĂŒr die Betriebe dĂŒrfe es nicht geben.

Die Branche erwarte, dass jetzt eine bestmögliche Pandemie-Vorsorge fĂŒr das Winterhalbjahr getroffen werde. Hinzu kĂ€me nun, eine sichere und finanzierbare Energieversorgung zu gewĂ€hrleisten.

PrioritĂ€t haben zudem Maßnahmen zur Arbeits- und FachkrĂ€ftesicherung. „Wir benötigen dringend mehr Mitarbeiter aus dem Inland wie Ausland.“ Deshalb mĂŒsse die ArbeitskrĂ€ftezuwanderung aus Nicht-EU-Staaten zĂŒgig ausgeweitet sowie Prozesse und Verfahren vereinfacht und beschleunigt werden. LĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig sei eine echte Offensive fĂŒr die duale Ausbildung.

Zentrale Maßnahme zur Zukunftssicherung der Branche sei laut Zöllick die Beibehaltung der Mehrwertsteuersenkung. Die Maßnahme war zur StĂ€rkung der Gastronomie zum 1. Juli 2020 eingefĂŒhrt worden und gilt noch bis Ende des Jahres. „Die 7% Mehrwertsteuer muss bleiben“, appellierte Zöllick an die politischen Entscheider. „Mit der Entfristung werden die dringend benötigten Perspektiven geschaffen. Gleichzeitig wird damit die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige steuerliche Gleichbehandlung von Essen hergestellt.“ Mehr denn je kĂ€me es darauf an, der Branche, den Unternehmern und Mitarbeitern verlĂ€ssliche Perspektiven zu geben und die WettbewerbsfĂ€higkeit der Betriebe zu stĂ€rken. Nicht nur, weil das Gastgewerbe mit 200.000 Unternehmen und zwei Millionen BeschĂ€ftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Jobmotor und Absatzmarkt sei, sondern auch von hoher gesellschaftlicher Relevanz, die wohl nie deutlicher wurde als in den Pandemiemonaten, so Zöllick abschließend.

Mehr Details: https://www.die-welt-der-gastronomie.de/alle-gastronews-im-%C3%BCberblick/954-neustart-gastgewerbe-energiesicherheit-massnahmen-arbeitskraefte-fachkraeftegewinnung-mehrwertsteuer.html

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